Kunst im unterirdischen Wasserreservoir
Cisternerne liegt unter dem Park Søndermarken in Frederiksberg, gegenüber dem Zoo. Was von oben nur als ein paar gläserne Pyramiden im Rasen sichtbar ist, öffnet sich darunter zu einem riesigen, gewölbten Raum: dem ehemaligen Trinkwasserreservoir der Stadt. Heute gehört es zu den Frederiksbergmuseerne und zeigt ortsspezifische Kunst, die eigens für diese ungewöhnliche Umgebung entsteht.
Der Reiz liegt im Ort selbst. Es ist dunkel und feucht, von der Decke wachsen Tropfsteine, Wasser steht in flachen Becken, und die Akustik verschluckt jedes laute Wort. Wer hinabsteigt, betritt keinen weißen Galerieraum, sondern eine Art unterirdische Höhle, in der Licht, Klang und Spiegelungen Teil der Arbeiten werden. Genau deshalb funktionieren hier vor allem Installationen, die mit Atmosphäre, Wasser und Stille arbeiten.
Vom Cholera-Erbe zum Kunstraum
Gebaut wurde das Reservoir Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem 1853 über 4.000 Kopenhagener an der Cholera gestorben waren – Folge verseuchter Brunnen. Eine neue, geschlossene Wasserversorgung sollte das verhindern, und unter dem Søndermarken lagerte fortan das Trinkwasser der Stadt. In dieser Funktion blieb die Anlage bis 1933 in Betrieb, danach wurde sie leergepumpt und lag jahrzehntelang ungenutzt.
Erst im Zuge von Kopenhagens Jahr als Kulturhauptstadt 1996 wurde der Raum für die Öffentlichkeit erschlossen. Von 2001 bis 2013 zeigte hier ein Museum für moderne Glaskunst, seither bespielt Cisternerne den Ort mit wechselnden, eigens beauftragten Kunstprojekten – ein Format, das den feuchten, halbdunklen Charakter bewusst zum Material macht statt ihn zu kaschieren.
Die Ausstellung 2026
Die Saison läuft vom 14. März bis 30. November 2026. Zu sehen ist Marina Abramović – Seven Deaths, eine filmisch-opernhafte Rauminstallation, die den Tod anhand von sieben ikonischen weiblichen Opernrollen inszeniert. Arien unter anderem von Maria Callas treffen auf Bilder mit Abramović selbst und Willem Dafoe – die feuchte, hallende Architektur verstärkt den feierlich-düsteren Ton der Arbeit.
Begleitend gibt es ein kleines Veranstaltungsprogramm im Raum: Gong-Bad-Sessions im Juli und August sowie im August die Performance „The Inhuman Human Voice” von Marcela Lucatelli. Wer Cisternerne wegen der Atmosphäre besucht, sollte den Blick auf den aktuellen Spielplan werfen, denn das Thema wechselt von Saison zu Saison vollständig.
Besuch & Praktisches
Plane für den einen Raum etwa 45 bis 60 Minuten ein – Cisternerne ist eine konzentrierte, keine ausladende Erfahrung. Am ruhigsten ist es werktags vormittags zur Öffnung um 11 Uhr; mittwochs und donnerstags hat das Haus bis 20 Uhr offen und eignet sich dann auch für einen späten Besuch. Im Oktober und November bleibt es montags geschlossen.
- Tickets: Erwachsene 115 DKK, Studierende und Senioren 90 DKK, unter 18 frei. Der Frederiksberg Museum Pass (180 DKK) lohnt sich, wenn du auch Bakkehuset, STORM oder Møstings besuchst. Online gekaufte Tickets sind ein Jahr gültig, aber nicht an ein Zeitfenster gebunden – bei Andrang kann es am Eingang etwas dauern.
- Bedingungen: Es ist dunkel, feucht und kühl; festes, rutschsicheres Schuhwerk hilft. Fotografieren ist erlaubt, aber ohne Blitz und Stativ. Zutritt haben nur Blindenführ- und anerkannte Assistenzhunde.
- Barrierefreiheit: Der Abstieg ist mit Rollstuhl nicht möglich. Kinderwagen müssen oben im Eingangs-Pyramidenbau bleiben.
Anreise: Die Bushaltestelle Zoologisk Have an der Roskildevej liegt rund vier Gehminuten entfernt (Linien 4A, 7A, 8A, 18, 26). Mit der Metro fährst du bis Frederiksberg Allé (M3 Cityring) und gehst von dort durch den Søndermarken. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang im Park und dem benachbarten Zoo verbinden; für die weitere Planung helfen die Top 15 Sehenswürdigkeiten und der Guide zur Fortbewegung in Kopenhagen.