Kopenhagen ist flach, kompakt und auf kurze Wege gebaut – vieles erkundest du am besten zu Fuß oder auf dem Rad. Für längere Strecken steht ein modernes Netz aus vollautomatischer Metro, S-Bahn, Bussen und sogar Hafenbussen bereit, das über ein einziges Zonen-Tarifsystem läuft. 2026 hat sich beim Ticketkauf einiges geändert, und auch beim Leihrad gilt nicht mehr, was ältere Reiseführer schreiben. Dieser Ratgeber sortiert, wie du günstig, schnell und stressfrei durch die Stadt kommst.
Mit dem Rad durch die Fahrradstadt
Das Fahrrad ist in Kopenhagen kein Freizeitvergnügen, sondern Alltagsverkehrsmittel – und die Stadt behandelt es entsprechend. Die Radwege gelten als kritische Infrastruktur – sie werden vor Schneefall gesalzt und nach Schneefall noch vor den Autostraßen geräumt, damit sie bis acht Uhr morgens befahrbar sind. Spezielle schmale Kehr- und Streufahrzeuge bedienen die Radspuren rund um die Uhr. Rund 75 Prozent der Kopenhagener radeln deshalb auch im Winter weiter.
Trotz konsequenter Räumung lauern in der kalten Jahreszeit Risiken – Reifglätte, Schneematsch an den Fahrbahnrändern und nasse Markierungen. Sinnvoll sind griffige Reifen und vorausschauendes Bremsen. Licht ist in Dänemark bei Dunkelheit Pflicht, vorn weiß, hinten rot. Wer sich an die einfachen Regeln hält (rechts fahren, Handzeichen geben, an Ampeln den Radspuren folgen), bewegt sich auf den baulich vom Autoverkehr getrennten Spuren sehr sicher.
Leihrad per App – Bycyklen gibt es nicht mehr
Die einst überall sichtbaren weißen Bycyklen, die städtischen Leihräder mit Tablet am Lenker, sind Geschichte – nach einer Insolvenz wurde der Dienst im Dezember 2022 eingestellt und ist 2026 nicht zurück. An ihre Stelle sind App-Anbieter getreten, dominant ist Donkey Republic mit Pedal- und E-Bikes. Die Räder lassen sich rund um die Uhr per App entsperren, abgestellt werden sie an festen Pick-up- und Drop-off-Punkten, von denen es über die Stadt verteilt mehrere hundert gibt.
Preislich gibt es zwei sinnvolle Modelle: Pay-as-you-go startet mit einer Mitgliedschaft ab rund 25 Kronen im Monat, in der zwei Stunden Fahrt für 15 Kronen enthalten sind; wer einen ganzen Tag unterwegs ist, fährt mit dem 24-Stunden-Tagesdeal für 99 Kronen pro Rad günstiger. E-Bikes sind verfügbar, kosten aber mehr.
Wichtig ist die Haftung bei Diebstahl – während (teils auch nach) der Miete bist du für das Rad verantwortlich. Ohne separate Diebstahlversicherung droht bei Verlust eine Gebühr von bis zu 900 Euro für ein mechanisches Rad und bis zu 2.000 Euro für ein E-Bike. Mit Diebstahlversicherung sinkt die Haftung auf bis zu 50 beziehungsweise 100 Euro. Diese Versicherung lässt sich nur während der Buchung hinzufügen, nicht nachträglich; bei Buchung über eine Mitgliedschaft ist sie bereits inklusive. Berechnet wird die Verlustgebühr, wenn ein Rad 30 Tage nach dem Verschwinden nicht auffindbar ist. In Dänemark gilt ohnehin als Standard, das Rad mit dem fest montierten Rahmenschloss und zusätzlich an einem festen Objekt anzuschließen – bei Donkey-Rädern sitzt das App-Schloss am Lenker.
Die Metro – rund um die Uhr, vollautomatisch
Die Kopenhagener Metro ist das Rückgrat für schnelle Wege in der Innenstadt. Sie fährt auf allen vier Linien rund um die Uhr und ist eines der wenigen vollautomatischen U-Bahn-Systeme weltweit mit durchgehendem Nachtbetrieb. Tagsüber kommt der nächste Zug nach wenigen Minuten, nachts fahren die Bahnen etwa alle 15 bis 20 Minuten (Sonntag bis Donnerstag rund 20 Minuten, Freitag und Samstag häufiger).
Vier Linien decken die dichten Kurzstrecken in Innenstadt, Frederiksberg und Amager ab:
- M1 (grün) und M2 (gelb) – die beiden ursprünglichen Linien; die M2 fährt direkt zum Flughafen.
- M3 (rot) – der Cityring, ein Ringschluss durch die zentralen Viertel.
- M4 (blau) – die jüngste Linie Richtung Nordhavn und Sydhavn.
Eine fünfte Linie taucht in der regulären Netzbeschreibung 2026 nicht auf – wenn Reiseführer von einer „M5” sprechen, beziehen sie sich auf Ausbaupläne, nicht auf eine fahrende Linie. Für die Innenstadt brauchst du dir die Liniennummern kaum zu merken – an den meisten zentralen Stationen hält ohnehin mehr als eine Linie.
S-tog, Busse und Hafenbusse
Neben der Metro gibt es ein zweites Schienennetz, das S-tog (die S-Bahn, betrieben von DSB). Es ist Pendler- und Schnellbahn zugleich – sechs radiale und zwei verbindende Linien an 87 Stationen, die das Zentrum mit Vororten und dem weiteren Seeland verbinden, von Hillerød und Klampenborg über Frederikssund und Farum bis Høje-Taastrup und Køge. Das S-tog fährt etwa von 5 Uhr bis 0.30 Uhr, freitags und samstags durch die Nacht. Die einfache Faustregel: Die Metro ist fürs dichte Stadtgebiet da und fährt 24/7, das S-tog bringt dich in die Vororte. Beide werden getrennt betrieben, laufen aber über dasselbe Zonen- und Ticketsystem – du kannst also mit demselben Ticket umsteigen.
Eine Kopenhagener Spezialität sind die Hafenbusse – zwei Linien, die als Teil des Nahverkehrs über das Hafenbecken fahren. Die Linie 991 fährt südwärts Richtung Teglholmen und Sluseholmen, die 992 nordwärts Richtung Orientkaj und Refshaleøen. Mit jeweils rund neun Stopps pro Seite zickzacken sie über das Wasser und verbinden unter anderem Nyhavn, die Oper, die „Black Diamond” der Königlichen Bibliothek, Islands Brygge und Holmen. Das Entscheidende – die Hafenbusse kosten genau so viel wie ein normales ÖPNV-Ticket – reguläre Tickets, City Pass und Copenhagen Card gelten alle. Damit sind sie praktisch eine günstige Sightseeing-Fähre längs des Hafens. Die aktuellen Elektroboote fassen bis zu 80 Personen und außerhalb der Stoßzeiten acht Fahrräder.
Tickets, Zonen und der City Pass
Alles läuft über ein gemeinsames Zonensystem, das bis Zone 99 reicht und ganz Seeland abdeckt. Das Stadtzentrum liegt in Zone 1, der Flughafen Kastrup in Zone 4. Die meisten Fahrten innerhalb der Stadt nutzen zwei bis acht Zonen; regionale Ziele wie die Schlösser in Roskilde, Hillerød oder Helsingør liegen weiter draußen und brauchen ein Ticket über mehr Zonen.
Bei den Tarifen lohnt es sich, drei Optionen auseinanderzuhalten:
- Einzelticket – eine Fahrt über die Mindestanzahl von zwei Zonen kostet 2026 rund 24 DKK (einzelne Quellen nennen 26 DKK) und gilt etwa 1 Stunde 15 Minuten inklusive Umstiegen.
- City Pass Small (Zonen 1–4 inklusive Flughafen) – 24 Stunden 100 DKK, 48 Stunden 160 DKK, 72 Stunden 220 DKK, 96 Stunden 280 DKK, 120 Stunden 340 DKK. Eine separate „7-Tage-Karte” gibt es nicht mehr; statt eines klassischen Periodentickets nutzt man die City-Pass-Stufen oder die App. Für Ausflüge ins Umland brauchst du den City Pass Large (Zonen 1–99).
- Copenhagen Card (Discover) – ab rund 479 DKK für 24 Stunden und etwa 849 DKK für 72 Stunden (je nach Plattform schwankend). Sie enthält freien Eintritt zu über 80 Attraktionen und unbegrenzten Nahverkehr in der gesamten Hauptstadtregion inklusive kostenloser Fahrt zum und vom Flughafen. Ob sie sich rechnet, klärt der Ratgeber Copenhagen Card.
Beim mobilen Ticketkauf hat sich 2026 viel bewegt – die alte App „DOT Billetter” wurde Ende 2025 eingestellt. Standard sind nun die App Rejsebillet für Tickets, die Rejsekort-App und für Zugtickets die DSB-App. Das physische Rejsekort wird 2026 schrittweise zugunsten digitaler Zahlung abgelöst. Wer nur ein, zwei Fahrten plant, kauft das Ticket bequem per App oder am Automaten; Automaten nehmen Karten, teils Münzen, aber in der Regel keine Scheine.
Zum Flughafen und zurück
Die häufigste längere Fahrt führt zum Flughafen Kastrup (CPH), und hier gibt es zwei gute Wege. Die Metro M2 fährt von der Station Lufthavnen direkt ins Zentrum bis Kongens Nytorv in rund 13 bis 15 Minuten, tagsüber alle vier bis sechs Minuten und dank des 24/7-Betriebs auch nachts. Alternativ liegt direkt unter Terminal 3 die Bahnstation Københavns Lufthavn – DSB-Regional- und IC-Züge brauchen ebenfalls etwa 13 bis 15 Minuten zum Hauptbahnhof København H und fahren tagsüber rund alle zehn Minuten; das ist besonders praktisch, wenn du dort in einen Fernzug umsteigst.
Preislich gilt die Strecke vom Flughafen (Zone 4) ins Zentrum (Zone 1) als 3-Zonen-Fahrt und kostet 30 DKK, gültig 1 Stunde 30 Minuten – ohne Nachtzuschlag. Welche der beiden Varianten besser zu deinem Ziel und Gepäck passt, erklärt der Ratgeber Vom Flughafen ins Zentrum; wie du überhaupt am besten nach Kopenhagen kommst, steht in der Anreise.