Eine Freistadt seit 1971
Christiania entstand 1971, als Aktivisten ein verlassenes Kasernengelände im Stadtteil Christianshavn besetzten und zur „Freistadt” ausriefen. Bis heute lebt hier eine selbstverwaltete Gemeinschaft von rund tausend Menschen nach eigenen Regeln und weitgehend ohne private Autos. Eine offizielle Einwohnerzahl veröffentlicht Christiania nicht; Schätzungen liegen meist bei 850 bis 1000 Bewohnern. Das Verhältnis zum dänischen Staat war über die Jahrzehnte oft konfliktreich.
Christiania ist kein Freizeitpark, sondern ein Wohnort. Wer das im Kopf behält, erlebt einen der ungewöhnlichsten und entspanntesten Flecken Kopenhagens – ein grünes, kreatives Viertel mit selbstgebauten, fantasievollen Häusern am Wasser, Werkstätten und Galerien.
Was sich 2024 geändert hat
Die wohl wichtigste Entwicklung der letzten Jahre: Am 6. April 2024 haben die Bewohner die berüchtigte Pusher Street selbst abgebaut. Nach tödlichen Schießereien und auf Druck der Regierung wurde der offene Cannabishandel beendet, das alte Kopfsteinpflaster wurde aufgerissen. Seitdem gilt das Viertel als deutlich ruhiger; die Polizei patrouilliert noch, das Leben wirkt aber entspannter.
Das hat Folgen für den Besuch:
- Das frühere pauschale Fotoverbot auf der Pusher Street ist überholt – in den meisten Bereichen darf man heute fotografieren.
- Der Kauf von Cannabis ist und bleibt illegal; das offene Handelsbild von früher gibt es nicht mehr.
- Tagsüber präsentiert sich Christiania als friedliches, lebendiges Wohnviertel.
Was dich erwartet
Jenseits der Klischees lohnt sich vor allem der Spaziergang: bunte Häuser entlang der Kanäle, die Wallanlagen und Seen am Rand des Areals und eine lockere Mischung aus Kunst, Cafés und Musik. Ein paar Adressen, die immer wieder genannt werden:
- Loppen – die seit 1973 bestehende Konzertbühne (Kapazität rund 400) mit Live-Programm, Adresse Sydområdet 4b; Kalender unter loppen.dk
- Nemoland – Bar, Essen und Musik mit Außenbühne und kostenlosen Sommerkonzerten
- Café Månefiskeren und Grønsagen – ruhige Cafés für eine Pause
- Christiania Bryghus – die hauseigene Brauerei
- Den Grå Hal – die große Veranstaltungshalle, im Dezember alternativer Weihnachtsmarkt
Aus älteren Quellen sind außerdem das vegetarische Morgenstedet und das Spiseloppen bekannt; deren aktuelle Öffnungszeiten sollte man vor Ort prüfen, da sie 2026 nicht durchgängig gelistet sind.
Verhaltensregeln
Christiania bittet Besucher um Rücksicht. Die wichtigsten Punkte:
- Respekt gegenüber Bewohnern, Gemeinschaft und Natur – nicht in Fenster schauen
- langsam gehen, den ausgeschilderten Hinweisen folgen und das Areal sauber halten
- nur außerhalb parken; das Viertel ist fußgänger- und fahrradorientiert
- vor Nahaufnahmen von Menschen oder Privathäusern fragen, Foto-Verbotszonen respektieren
- kein Cannabiskauf – das ist illegal
Anreise & Praktisches
Der Haupteingang (Hovedindgang) liegt an der Prinsessegade, etwa 200 Meter nordöstlich der Kreuzung mit der Bådsmandsstræde. So kommst du hin:
- Metro: bis Christianshavn, dann rund 6 Minuten (500 m) zu Fuß über die Prinsessegade
- Bus 9A: hält direkt am Haupteingang, fährt vom Hauptbahnhof und von Vesterport (ca. alle 10 Minuten)
- Zu Fuß: vom Zentrum über die Knippelsbro; vom Nyhavn sind es rund 15 Minuten
Für das Areal selbst reichen ein bis zwei Stunden. Am lebendigsten ist es an einem sonnigen Nachmittag oder am Wochenende, wenn Musik spielt und Marktstände öffnen. Ein Besuch lässt sich gut mit der nahen Vor Frelsers Kirke und ihrem Turm verbinden – beide liegen in Christianshavn nur wenige Gehminuten auseinander.